Ist Clean Climbing gefährlich?

Das Clean Climbing von heute ist zum Glück nicht mehr wie früher, als man an wackeligen, selbstgeschmiedeten Schlaghaken sicherte oder sein Leben einem obskuren Holzkeil anvertraute. Heute fehlt es nicht mehr an guten, geprüften Clean Climbing Tools zum selber Absichern.

Geblieben ist aber die Selbstverantwortung für das eigene Tun. Niemand nimmt einem die Absicherung in Form einer fixfertig eingerichteten Route ab. Man muss die Sicherungen im Auge behalten, schauen dass der Seilzug die Keile nicht aus dem Riss hebelt und ein Gespür entwickeln, welche selbst gelegten Sicherungen vertrauenswürdig sind. Dazu braucht es eine gute Ausbildung (z.B. in Kursen) und Erfahrung, die noch zusätzlich zu den „normalen“ Sicherheitsvorkehrungen beim Bohrhakenklettern dazukommt. Deshalb beginnt man das Clean Climbing zuerst einmal 2-3 Grade unter der persönlichen Sturzgrenze (Kletterlimite) und tastet sich langsam aufwärts. Clean Climbing an der Kletterlimite ist höchste Kunst und erst nach jahrelanger Erfahrung anzuraten.

Beherzt man diese Grundregeln, ist das Clean Climbing ebenso sicher wie das Klettern mit Bohrhaken. Zudem muss man sich nicht auf die Fähigkeiten und Mittel eines Erschliessers verlassen, der eine Route womöglich vor Jahrzehnten eingebohrt hat. Wurde das damals richtig gemacht? Sind die Haken auch von innen nicht rostig? Diese Sorgen fallen beim Klettern ohne Spuren von Anfang an weg.

Mit etwas Erfahrung ist Clean Climbing ebenso sicher wie Klettern mit Bohrhaken

Lehrplan "selber absichern"

Es gibt verschiedene Methoden, um das selber Absichern zu erlernen. Trial and Error ist dabei recht gefährlich. Hier ein kurzer Vorschlag, wie man sich mit Keil & Co. vertraut macht:

Block 1 (1 h):

Überblick über Tools verschaffen. Was gibt es? Welches sind die Unterschiede? Was halten die Tools usw. Wann ist welches Gerät geeignet?

Block 2 (2-4 h):

Im Fels vom Boden aus möglichst viele Tools legen, beurteilen, testen, verbessern

Einen perfekten Stand zu bauen, will gelernt sein!

Block 3 (1-2 Tage):

In abgesicherten Einseillängenrouten Klettern (Vorstieg oder TopRope) und möglichst viel legen. Beim runterkommen Placements testen, evtl. hineinstürzen (hintersichert mit Bohrhaken) und schauen, wo man was besser machen könnte.

Block 4 (2-3 Tage):

Klettern von Routen (hintersichert mit Bohrhaken) mit selber Absichern, ab und zu noch einen Bohrhaken einhängen. Evtl. 2-3 Seillängen in einer Mehrseillängenroute klettern.

Block 5 (2-3 Tage):

Klettern von ersten cleanen Einseillängenrouten, die gut (C-1 bis C-1+) abgesichert werden können.