Schlaghaken (Normalhaken)

Wer kennt nicht die alten Rostgurken, die noch aus der Anfangszeit des Kletterns in klassischen Routen vor sich hin modern. Nostalgie oder blankes Staunen kommt auf, wenn man heutzutage im Bergsportgeschäft nach Schlaghaken fragt. Für Leute, die in wenig begangenen Routen unterwegs sind, ist ein kleines Set Schlaghaken und der dazugehörige Hammer unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung. Der Ruf der Normalhaken ist zu Unrecht schlecht: Gut gesetzt sind sie Klemmgeräten oder Keilen mindestens ebenbürtig und wenn man sie im Laden kauft, sind sie ja noch nicht rostig! Das geschieht erst, wenn sie ein paar Jahrzehnte in feuchten Rissen vereinsamen. Um den Haken dieses traurige Schicksal zu ersparen, nehmen richtige Clean Climber ihre Normalhaken wieder mit. Das ist bisweilen etwas mühsam, doch man will ja nachfolgenden Kletterern nicht eine Wand voll rostigem Schrott hinterlassen.

Von aussen ist die Qualität von alten Normalhaken kaum zu erkennen. Die Laschen sind nahezu identisch. Der rostigere hätte wohl einen Sturz gehalten, der andere kaum. Daher besser gleich wieder mitnehmen!
Hartstahl Profil- und Messerhaken.

Wie anwenden?

So wenig wie möglich! Die Schlaghaken sind normalerweise das letzte Mittel vor dem Absturz. Nicht, weil sie nicht halten würden, sondern weil sie so schwer wieder herauszukriegen sind. Das Fluchen des Nachsteigenden beim Wiederherausschlagen der Haken sollte einem aber in Schlüsselstellen und am Stand egal sein, sofern man wirklich kein anderes Tool brauchbar einsetzten kann.

Je nach Fels benutzt man andere Haken. Als Faustregel gilt: Für „weichen“ Fels (z.B. Kalk) nimmt man Weichstahlhaken, für „harten“ (Granit, Gneis) nimmt man Hartstahlhaken. Unterschiedliche Formen für unterschiedliche Risse gibt es auch: Messerhaken für die ganz schmalen Risse, Profilhaken für die etwas breiteren.

Grundsätzlich muss der Fels mit dem Riss stabil sein (Hammertest: heller, klingender Ton vom Fels ist gut, ein dumpfer Ton schlecht). Der Haken sollte nur wenig von Hand in den Riss gesteckt werden können (ca. 1/3), danach mit dem Hammer den Haken mit kräftigen Schlägen hineinschlagen. Der Haken soll dabei in immer höheren Tönen an zu „singen“ beginnen, sonst sollte man der Sache nicht vertrauen.

Haken können in horizontalen, schrägen oder vertikalen Risse platziert werden, jedoch – anders als bei Keilen oder Klemmgeräten – auf keinen Fall in Sturzrichtung (von unten nach oben eingeschlagen) sondern mindestens rechtwinklig dazu!

Um den Haken wieder zu entfernen, schlägt der Nachsteigende den Haken immer wieder auf die Seiten hin und her. Das kann dauern und bedingt natürlich auch einen zweiten Hammer.

Weichstahlhaken nach 30 Jahren im Fels und neu. Gut zu erkennen wie der gebrauchte Weichstahlhaken dem Rissverlauf folgen konnte.