Exoten

In der Schweiz finden vor allem Klemmkeile und Cams weite Verbreitung. In dieser "Exoten"-Rubrik möchten wir auf einige weitere Tools zum selber Absichern hinweisen, welche je nach Einsatzgebiet sehr gute Dienste leisten können.

Omega Pacific Link Cams

Diese relativ neue Erfindung von Greg Lowe`s funktioniert in der Anwendung gleich wie ein normaler Friend oder Camlot, zeichnet sich jedoch durch eine deutlich grössere Spannweite aus. So können mit einem Link Cam Spannweiten zwischen 2 bis maximal 5 konventionellen Klemmgeräten abgedeckt werden. Diese wertvolle Erweiterung der Spannweite wird durch eine bewegliche Dreiteilung der Backen ermöglicht. Ein zu erwähnender Nachteil ist dabei das erhöhte Gewicht dieser Konstruktion, so wiegt ein Link Cam vergleichbarer Grösse ca. doppelt so viel wie ein normaler Friend und ca. 30 % mehr als ein Camlot. Aus diesem Grund erweist sich der Link Cams vor allem in Touren bei denen gelegentlich einmal eine mobile Sicherung gelegt wird (alpine Sportklettereien oder Hochtouren) als speziell guter "Freund".

Tri-Cam

Der Tri-Cam von C.A.M.P ist zumindest in der Schweiz ein relativ selten verwendetes Tool. Im Einsatz stellt es eine Kombination von einem aktiven und passiven Klemmgerät dar. Einerseits kann es konventionell wie ein normaler Klemmkeil verwendet werden oder aber auch mit einer Drehmomentwirkung, welche zum Verklemmen des Gerätes führt. Eine Beschreibung dieses Tool findet ihr hier.

Ein Set Hexen (Quelle: Black Diamond)

Hexen

Je nach Hersteller auch Hexentric oder Rockcentrics genannt, waren die Hexen vor der Verbreitung von Klemmgeräten unverzichtbar zum Absichern breiterer Risse. Hexen haben meistens ein asymmetrisches Sechskantprofil, womit mit einer Hexe drei mögliche Rissbreiten abgedeckt werden können.  Wie die Klemmkeile handelt es sich bei den Hexen um passive Sicherungsgeräte, die nur in Sturzrichtung zusammenlaufenden Rissen funktionieren.

Die Klemmgeräte (Camalots, Friends, etc.) haben wegen ihrer leichteren Handhabung die Hexen fast ausgerottet. In letzter Zeit ist jedoch ein kleines Hexen-Revival spürbar – als Klemmgerät des kleinen Mannes. Denn Hexen kosten oftmals weniger als ein Viertel im Vergleich zu Klemmgeräten – bei einem vollständigen Set ein gehöriges Sparpotenzial.

Wie anwenden?

Die Anwendung ist ganz ähnlich wie ein Klemmkeil. Hexen können in alle Risse gelegt werden, die sich in Sturzrichtung verengen. Auch hier muss der Fels stabil sein, denn bei einem Sturz wirken grosse Kräfte auf die Seitenwände (Sprengkräfte von über einer Tonne!).

Die Hexe sollte flächig aufliegen, bereits in Sturzrichtung platziert und danach gut festgezogen werden, damit sie beim weiterklettern nicht verrutscht. Zusätzlich hilft es, die Hexe mit mehren Expressen oder einer Bandschlinge zu verlängern, um das Heraushebeln der Hexe zu vermeiden.

Ball Nuts

Ball Nuts sind eine Mischung aus Klemmkeil und Klemmgerät und wurden 1987 erfunden. Wie Klemmgeräte können sie auch in parallelen Rissen platziert werden. Sie passen auch in schmalste Risse hinein, wo man sonst nur noch mit Schlaghaken weiterkommt. Die Spannweite an absicherbaren Rissbreiten ist aber relativ klein und liegt im Millimeterbereich (siehe Grössenvergleichstabelle). Das Legen in parallelen Rissen erfordert somit bedeutend mehr Präzision als bei den Klemmgeräten – ansonsten sind die Nuts sofort wieder draussen. Wie auch bei den kleinsten Keilen und Cams ist der kleinste Ball Nut vor allem eine psychologische Stütze.

Wie anwenden?

Die Ball Nuts sind eine Art Mischung aus Klemmkeil und Klemmgerät. Beim platzieren werden die zwei verschiebbaren Elemente zusammengezogen und in den Riss gesteckt. Beim Loslassen verkeilen sich die Elemente ineinander und das ganze Gerät steckt im Riss fest. Das raffinierte Teil kann auch hinter stabile Schuppen von unten nach oben gesetzt werden. Das Legen erfordert wegen der relativ kleinen Spannweite pro Gerät hohe Präzision. Im Falle eine Sturzes verfressen sich die beiden Metallteile stark ineinander und es ist schwierig das Gerät je wieder in einem Stück aus dem Riss zu kriegen. Aber zumindest halten die Teile bedeutend härtere Stürze als Klemmgeräte für die gleichen kleinen Risse.

Ein Set Ball Nuts

Big Bros

Für Leute die gerne RICHTIG fette Risse oder Kamine clean klettern möchten, kommt von Trango die Rettung in Form eines ausziehbaren Sicherungsrohrs. Mit den „fetten Brüdern“ können Risse bis zu einer Breite von unglaublichen 46 cm abgesichert werden und auch die Spannweiten sind im Vergleich zu anderen Absicherungsgeräten enorm (siehe Grössenvergleichstabelle). Die Big Bros funktionieren in etwa nach dem Prinzip „Duschvorhangstange“. Es braucht relativ viel Erfahrung und präzise Legearbeit, damit die eingeklemmten Rohre auch wirklich etwas bringen. In gleichförmig parallelen Rissen (Gneis, Granit) sind sie aber super: Auslöseknopf drücken, Manschette anziehen und weiter geht's.

Wie anwenden?

Die Big Bros können in breiten Rissen oder Kaminen eingesetzt werden. Dabei sollten die Seitenwände stabil und der Fels sauber sein. Das Sicherungsrohr muss in etwa horizontal platziert werden. Die beiden Enden sind leicht angeschrägt und werden idealerweise in kleinen Vertiefungen platziert, damit die Sicherungsstange nicht herausrutscht. Die Längenanpassung erfolgt mit einem Auslöseknopf, um danach mit einer Manschette festgeschraubt zu werden. Expressschlinge in die permanent eingefädelte Reepschnur einhängen und weiterklettern.

Dummerweise liefert Trango die Rohre ohne dazugehörige Kevlar Reepschnur, die zumindest in der Schweiz nur schwierig zu kriegen ist. Mit normaler Reepschnur geht es zwar auch, doch mit Knoten hält diese noch etwa 4-5 kN, wärend der Big Bro 15 kN aushält. Auch nicht gerade schlau. Lösung: Reepschnur doppelt über das Rohr fädeln.

Nicht für den Duschvorhang, sondern für richtig breite Risse: Der Big Bro (Quelle: Trango)

Bei MountainTools (California) gibts eine gute Übersicht verschiedener Clean Climbing Tools. 

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